Worte

Der Fotograf

„Der Fotoapparat war immer schon eine Art Transformationsobjekt.
Dieses Objekt erweitert die begrenzten Möglichkeiten des jeweiligen Daseins und tröstet durch die Erwartung auf einen zukünftigen Zeitpunkt, an dem man die Bildergebnisse ansehen kann, die dann etwas vorgeben zu sein, durch die eigene Phantasie, durch Schönreden und das Vergessen der in Wirklichkeit belanglosen bis langweiligen Begebenheiten."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER FOTOGRAF II
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Galerist

„Bilder, Gemälde und Skulpturen können durch ihre Anwesenheit die Gesinnung des Besitzers unterstreichen.
In der Gesellschaft von vermeintlich bedeutenden Kunstwerken stellt sich der Besitzer als sensibler Kenner oder cleverer Geschäftsmann dar. So kann die Aufgabe von Kunstwerken zwischen reiner Dekoration und Wertanlage liegen. Bei Kunstsammlern gelten sie als Objekte des Begehrens und erzielen manchmal hohe Preise. In jedem fall bieten Ausstellungen willkommenen Anlass, um sich über etwas ganz anderes zu unterhalten."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER GALERIST
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Hutmacher

„Der Hut ist nicht nur als beliebiges Accessoire einer Modeerscheinung zu verstehen.
Kopfbedeckungen sind Lockruf und Schutz zugleich. Sie zeigen auf überzeugend, anmutende Weise die Gesinnung des Trägers und ist in vielen Religionen unvermeidlicher Ausdruck der Glaubenstreue. Somit kann beim Verlust ein Gefühl der Entwürdigung einhergehen und das Selbst so bloß stellen, dass der Respekt verloren ist. Das Abnehmen des Hutes galt schon bei frühen Kulturen als Zeichen der Ehrerbietung."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER HUTMACHER
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Kürschner

„Fell und Federkleid mancher Tiere üben in ihrer Farben- und Formenpracht eine besondere Anziehung auf den Menschen aus.
Ohne eigenes Zutun verfügen sie über Eigenschaften und Schönheiten, die zunächst als Tarnung und Zeichen der Hierarchie ihr Überleben sichern sollen. Gleichermaßen können gerade diese Qualitäten ihre Art bedrohen, dann nämlich, wenn der Mensch aus Gier nach ihrem Leben trachtet, um sich selbst damit zu schmücken oder Profit daraus zu schlagen."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, „DER KÜRSCHNER"
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Pädagoge

„Nachwuchs ist das Kostbarste eines jeden Lebewesens und die einzige Brücke zur Zukunft. Ohne unsere Kinder würden wir Menschen aussterben und hoffnungslos in unseren Ansichten veraltern. Die Kinder sind es auch, die unberechenbar neue Impulse geben und erzieherische Maßnahmen da einleiten, wo längst eine sicher geglaubte Weisheit einhergegangen ist. Wenn wir ihr Vertrauen nicht enttäuschen, ihre Liebensfähigkeit, den Lebenshunger und Erfindergeist schätzen und fördern, ohne uns selbst darin verwirklichen zu wollen, wird uns selbst ein Licht aufgehen."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER PÄDAGOGE
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Schamane

„Von woanders her gegeben, scheint einigen empfänglichen Menschen eine Fähigkeit innezuwohnen,
die nicht jedem zu teil wird. Fragwürdig und wissenschaftlich nicht nachweisbar entziehen sich manche Phänomene dem Verständnis und werden daher gern als unglaubwürdig abgetan. Dennoch bleibt nahezu in jedem Menschen die Sehnsucht, hinter die Dinge blicken zu können, Weissagung zu befragen, um vor der Zeit Auswege aus dem Schicksalsplan und so mit den Mitteln des Magischen eine Lösung zu finden. "

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER SCHAMANE
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Gärtner

„Sorgfältig begutachtet und gepflegt wächst das Gras einen vorbestimmten Weg. Prächtig oder gebändigt, wollig dicht oder kurz geschoren, je nach Bestimmung gezüchtet übernimmt es vielfältige Aufgaben der Platzzuweisung und Begrenzung. Büsche und Sträucher bewegen sich nicht unaufgefordert vom Fleck, denn jedes auswuchernde Wurzelwerk wird gebändigt, das abfallende Laub und vor allem Unkräuter werden beseitigt oder als Ausdruck des Naturprinzips allenfalls geduldet."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER GÄRTNER II
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Friedhofsgärtner

„Festgelegt in klar umrissene Felder, zumeist kulturabhängigen Traditionen verpflichtet, zeitlich begrenzt eingeplant und verwaltet, erscheint die letzte Ruhestätte wie eine dreidimensionale Klappkarte, die einen letzten Beweis für die einstige Existenz geben soll.
Hier und da mit elegisch anmutenden Skulpturen zum Denkmal avisiert oder in der hintersten Ecke verwahrlost, ganz nach dem Einfluss des Geldes geprägt, findet jede Darbietungsform Seelenverwandte. So gibt es Besucher, die hier, in Sehnsucht schwelgend, die Rätselhaftigkeit des ewigen Todsein zu ergründen suchen oder um einfach Blumen und Buchsbäume zu gießen."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER FRIEDHOFSGÄRTNER
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Winzer

„Auf sonnigen Hängen gereift, im Herbst geerntet, zu Saft gepresst und anschließend mehr oder weniger lange in dunklen Kellern gelagert, mit geheimen Rezepten verfeinert, sind Trauben seit jeher Ausdruck von Sinnlichkeit und Opulenz. Wie Perlen reihen sie sich um ein zartes Geäst, lassen sich lasziv zwischen den Fingern dahin gleiten und bieten ästhetisch-dekorativen Anlass für Gemälde, ohne dabei ihren Verführungsauftrag zu vergessen, der dafür sorgen soll, auf vielfältige Weise den Genießer zu betören und je nach Anlass Gäste gefügig zu machen."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER WINZER
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Detektiv

„Eine Brille vermag Mängel der Augen auszugleichen, um das Anvisierte besser und schärfer sehen zu können oder auch um die
Augen von äußeren Einwirkungen zu schützen. Gleichzeitig schafft sie gewollt oder ungewollt Distanz zwischen Träger und Umwelt. Verborgen und geschützt, wie ein Bewohner hinter den Fensterscheiben seines Hauses, können die Augen das Geschehen verfolgen und dabei hinter gefärbten, abgedunkelten oder spiegelnden Gläsern sich selbst aus allem raus halten."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER DETEKTIV
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Der Florist

„Ein Blumenstrauß oder Pflanzenbukett kann Ausdruck der Sehnsucht, Ehrerbietung oder Liebesbekundung sein. Gleichermaßen jedoch kann sich dahinter ein schlechtes Gewissen verbergen, um auf diese Weise die lange Abwesenheit oder die vorangegangene Untreue vergessen zu machen. In jedem Fall geben die Gewächse genügend Informationen über den Geschmack und die Gesinnung des Verehrers und ob es sich lohnt, eine Vase dafür bereit zu halten oder die Angelegenheit gleich im Keim zu ersticken."

© CARMEN OBERST, 2004, Unikat, DER FLORIST
aus der Bilderserie „Echo der Fragen"

nach oben


Friedensallee 26
22765 Hamburg
Fon + 49. (0)40 - 390 69 43
carmenoberst@gmx.de
© 2017 by Art Photographie - Carmen Oberst| All rights reserved.

site created and hosted by nordicweb