Photochemische Malerei

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In den 20er Jahren wurde die Fotografie durch das Fotogramm und die Solarisation in ihrer künstlerischen Bildsprache erweitert. In dieser Traditionslinie versteht sich auch Carmen Oberst mit ihrer in den 80er Jahren eigenständig entwickelten Photochemischen Malerei. Die Fotolabor-Prozesse gewinnen einen entscheidenden Einfluss auf das fotografische Bildergebnis, die Grenzen der künstlerischen Fotografie werden dadurch erweitert.

Text von HAJO SCHIFF (Journalist / Kunstmittler)
Zur Arbeit von CARMEN OBERST im Katalog ANIMALS - Carmen Oberst Art Lexikon 5

VOM CATWALK ... und von tierisch namhafter Kunst

Es gibt keine Regel, wie das Neue in die Welt kommt. Der göttliche Blitz fährt hierhin und dorthin. Manchmal eben auch ins Schweinewasser. Ins was? Nun ja, das Wort ist nicht allgemein gebräuchlich. Es handelt sich - trotz seines deftigen Namens - um einen alchymischen Stoff von großer Kostbarkeit. Es ist eine ganz unberechenbare und gerade deshalb so kreative Flüssigkeit. Es ist ein speziell energetisches Medium, das sogar schon abgefüllt und reliquienartig an andere Orte verbracht wurde. Es ist eines der zentralen Geheimnisse der Photorotte um Carmen Oberst: Zwischen Entwickler und Fixierer steht das in seinen chemischen Eigenschaften variierende Schweinewasser und treibt mit den photographischen Abzügen seinen Schabernack. Und was als Ergebnisse aus dieser undefinierten Ursuppe kommt, ist meist sehr ästhetisch. Denn im unberechenbaren Zustand des Umkippens ist Kunst oft am interessantesten. Nur der Fehler bringt die Welt voran.

Aber für die Fachleute sauberer Bildreproduktion ist das, was im Labor der hemmungslos experimentierlüsternen Carmen Oberst immer noch analog und mit viel Materialaufwand betrieben wird, schlicht eine Sauerei. Doch halt, wie kommt das freundliche Glücksschwein eigentlich zu einem so ferkeligen Ruf? Obwohl seit Urzeiten Haustier, war sein Verhalten besonders dem Städter nur ein Naserümpfen wert. Dabei dient das oft missinterpretierte Suhlen der Säue genau wie bei den Elefanten dem Schutz ihrer Haut vor Sonne und Ungeziefer und die schweinische Unsauberkeit ist dem eigentlich eher reinlichen Tier, das in Asien gar im Hause gehalten wird, erst durch vom Menschen gesetzte viel zu enge Stallgrenzen aufgezwungen. Und schließlich kann man dem Trüffelschwein nur dankbar sein, dass es im Dreck nach den edlen Pilzen sucht - wie die Photorotte um Carmen Oberst im Schweinewasser nach dem innovativen Bild.

Noch ist allerdings das Wort Schweinewasser - selbst im derzeit nach chinesischem Kalender gültigen, sehr glückverheißenden „Jahr des Schweins" - nicht allgemein gebräuchlich. Doch dass es auch sonst ein kreatives Gebräu ist, zeigte schon der Oberkellner im etwas anderen bairischen Gasthaus bei Monty Python in einer Folge von 1971: „...Und damit alles seine Richtigkeit hat, dazu einen Eimer mit eisgekühltem Schweinewasser!"


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